Literaturforum – Gesprächskreis zur Gegenwartsliteratur

· Leitung: Rita Thies. Das nächste Treffen findet am Dienstag, 6. Februar 2018 um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine statt.

Das Literaturforum ist eine offene Veranstaltung, in der jeweils zwei Bücher aus dem Bereich der aktuellen Literatur und/oder der Literatur des 20. Jahrhunderts diskutiert werden. Weitere Infos können Sie unter literaturforum.wiesbaden@online.de erhalten. Die Titel für das jeweils nächste Treffen mit kurzer Beschreibung finden Sie im Folgenden.

Auch wenn Sie bei den letzten Treffen nicht teilnehmen konnten, das Literaturforum begrüßt Sie gerne auch bei seinem nächsten Treffen.


Das Literaturforum findet im ersten Halbjahr 2018 an folgenden weiteren Terminen um jeweils 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine statt. Der Eintritt ins Café ist ab 19 Uhr möglich:

  • Dienstag, 27. Februar 2018
  • Dienstag, 27. März 2018
  • Dienstag, 24. April 2018
  • Dienstag, 15. Mai 2018
  • Dienstag, 26. Juni 2018




  • Die ausgewählten Titel für das Literaturforum am 12. Dezember waren:

  • Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb, Original 1989

  • Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten, Original 2005


  • Beide sind als Taschenbuchausgaben zu erwerben.

    Infos zu den Romanen (Rita Thies):


    Ausnahmsweise widmen wir uns in diesem Forum zwei Romanen, die aus der Feder eines Autors stammen, Kazuo Ishiguro. Der Brite, Sohn japanischer Einwanderer, wurde dieses Jahr mit dem Literaturnobelpreis für seine Romane „von starker emotionaler Kraft“ (Nobelpreiskomitee) ausgezeichnet.
    Beide für das Forum ausgewählte Titel erklärte 2015 eine große internationale Literaturjury zu den bedeutendsten britischen Romanen – insofern bin ich gespannt auf Ihr Urteil und die Diskussionen mit Ihnen.

    „Was vom Tage übrig blieb“ veröffentlichte Ishiguro im Jahr 1989 und erhielt dafür sofort auch den Booker Prize. - Im Jahr 1956 macht sich Stevens, seit Jahrzehnten Butler auf dem Landsitz Darlington Hall, mit dem Auto seines neuen Dienstherren auf zu einer Reise zu seiner ehemaligen Arbeitskollegin Miss Kenton. In Rückblenden lässt er dabei sein Arbeitsleben Revue passieren, ein Leben, das von absolutem Pflichtbewusstsein und uneingeschränkter Loyalität gegenüber seinem langjährigen Dienstherrn Lord Darlington geprägt ist. Dieser versammelt in den zwanziger und dreißiger Jahren hochrangige Politiker und Diplomaten in seinem Hause, um in der europäischen Politik mitzuspielen. In der Überzeugung, mit seiner perfekten Arbeit zum Gelingen der Verhandlungen seines Arbeitgebers beizutragen und damit selbst wichtiges Rädchen im Weltgeschehen zu sein, lässt er sogar seinen ebenfalls in Darlington Hall lebenden Vater allein sterben. Stevens von Etikette geprägtes Leben erfährt allein durch Haushälterin Miss Kenton hin und wieder Irritationen. Gefühlen lässt er jedoch keinen Raum ...

    Die Ich-Erzählerin, deren Stimme wir in „Alles, was wir geben mussten“ (2005) folgen, ist eine junge Frau von 31 Jahren, die ebenfalls auf ihr Leben zurückblickt. Kathy H. wächst in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Hailsham, einem Internat auf dem Lande auf. Der Leser folgt dem empfindsamen und überlegten Mädchen durch ihren Internatsalltag, der dem vieler anderer Kinder und Jugendlicher gleichen könnte. Und doch, es schleicht sich von Anfang an ein Gefühl der Irritation ein. Von „Spendern“ ist die Rede. Schüler heißen „Kollegiaten“ und Lehrer „Aufseher“. Nach und nach verdichtet sich das Vexierspiel aus Andeutungen: Kathy und ihre Freunde sind Klone, allein dazu geschaffen, im Erwachsenenalter als menschliches Ersatzteillager zu dienen.
    Das Unglaubliche kommt mit einer ungeheuren Selbstverständlichkeit daher: Die Jugendlichen wissen um ihre Bestimmung, dabei fühlen und denken sie wie andere Menschen auch, beschäftigen sich mit Sport, Kunst, Literatur und Sex und träumen ...
    So scheinbar unaufgeregt, wie die Geschichte daherkommt, stellt sie die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht, mit umso größerer Wucht.


    Robert Menasses Roman „Die Hauptstadt“, der mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet wurde, soll an einem der ersten beiden Termine im neuen Jahr zur Diskussion stehen.



    Einen kleinen Eindruck vom Literaturforum gibt folgender Artikel aus dem Wiesbadener Kurier vom 05.06.2015

    Offenes Literaturforum im Literaturhaus Villa Clementine

    Von Bärbel Schwitzgebel

    WIESBADEN - Als Veranstaltungsort für anspruchsvolle Lesungen und Vorträge ist das Literaturhaus Villa Clementine seit Langem ein unverzichtbarer Bestandteil des Wiesbadener Kulturlebens.

    Doch damit alleine muss es nicht genug sein. Der seit 2002 bestehende „Förderverein Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Arbeit des Kulturamts ehrenamtlich zu unterstützen, möchte darüber hinaus den öffentlichen Raum nutzen, literarisch Interessierten die Möglichkeit zum moderierten Austausch zu geben.

    In diesem Sinne lud Beiratsmitglied Rita Thies, ehemals Kulturdezernentin, nun zum zweiten Mal zu einem offenen Literaturforum ein. Auf dem Programm standen zwei höchst unterschiedliche Romane: „Accabadora“ der sardischen Autorin Michela Murgia und Kressmann Taylors „Adressat unbekannt“. Zusammengefunden hatten sich dazu rund 20 Leser und Leserinnen – Letztere erwartungsgemäß deutlich in der Überzahl.

    Ohne große Vorrede der Moderatorin ergab sich spontan ein assoziativer und persönlicher Austausch, weitgehend getragen von den Teilnehmern, die die beiden Bücher bereits gelesen hatten. Aber auch die, die „unvorbereitet“ gekommen waren, konnten ihren Beitrag leisten. Schnell wird deutlich, dass es weniger um literaturwissenschaftliche Interpretation als um den inspirierten Dialog geht. Es soll kein Seminar, sondern lebendige Kommunikation stattfinden. Und doch führen auch simple Fragestellungen wie „Was ist mir aufgefallen?“, „Was hat mir gefallen?“, „Was finde ich weniger gelungen?“ zu analysierenden Einschätzungen. Man teilt seine Beobachtungen, zitiert einzelne Stellen, lobt die Dichte der Bilder, die Kunstfertigkeit der Sprache oder merkt Schwachstellen in der Charakteristik der Personen an.

    Nächster Termin 21. Juli

    Weitere Literaturtipps ergänzen das Spektrum. Das Bedürfnis, über Lektüre-Erfahrungen zu sprechen, ist evident. Auch wer nur zuhören will, kommt auf seine Kosten. Dennoch, so der dringende Wunsch der Moderatorin, sollten beim nächsten Termin am 21. Juli alle Teilnehmenden, die auf dem Programm stehenden Bücher zuvor gelesen haben. Gemeinsam verständigte man sich dazu auf Julian Barnes: „Vom Ende einer Geschichte“ und Michel Bergmann: „Die Teilacher“.

    Ein lebendiger Literaturkreis lebt eben nun mal vom kollektiven Austausch über individuelle Leseerfahrung.


    Foto: wita/Uwe Stotz

     
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