Literaturforum – Gesprächskreis zur Gegenwartsliteratur

· Leitung: Rita Thies. Das nächste Treffen findet am Dienstag, 14. November 2017 um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine statt.

Das Literaturforum ist eine offene Veranstaltung, in der jeweils zwei Bücher aus dem Bereich der aktuellen Literatur und/oder der Literatur des 20. Jahrhunderts diskutiert werden. Weitere Infos können Sie unter literaturforum.wiesbaden@online.de erhalten. Die Titel für das jeweils nächste Treffen mit kurzer Beschreibung finden Sie im Folgenden.

Auch wenn Sie bei den letzten Treffen nicht teilnehmen konnten, das Literaturforum begrüßt Sie gerne auch bei seinem nächsten Treffen.


Das Literaturforum findet 2017 und im ersten Halbjahr 2018 an folgenden weiteren Terminen um jeweils 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine statt. Der Eintritt ins Café ist ab 19 Uhr möglich:

  • Dienstag, 12. Dezember 2017
  • Dienstag, 6. Februar 2018
  • Dienstag, 27. Februar 2018
  • Dienstag, 27. März 2018
  • Dienstag, 24. April 2018
  • Dienstag, 15. Mai 2018
  • Dienstag, 26. Juni 2018




  • Die ausgewählten Titel für das Literaturforum am 14. November sind:

  • Margaret Atwood: Der Report der Magd. Roman. Original 1985, deutsch 1987

  • Deborah Feldman: Unorthodox. Eine autobiographische Erzählung. Original 2012, deutsch 2016


  • Beide sind als Taschenbuchausgaben zu erwerben.

    Infos zu den Romanen (Rita Thies):


    Die kanadische Autorin Margaret Atwood ist gerade mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. In der Begründung des Stiftungsrates heißt es u.a.: „ Als eine der bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit stellt sie die sich wandelnden Denk- und Verhaltensweisen ins Zentrum ihres Schaffens und lotet sie in ihren utopischen wie dystopischen Werken furchtlos aus. Indem sie menschliche Widersprüchlichkeiten genau beobachtet, zeigt sie, wie vermeintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann.“

    Dies ist auch die Ausgangssituation in ihrem berühmtesten Roman, „Der Report der Magd“ aus dem Jahr 1985 (Original). In naher Zukunft haben in den USA religiöse Fundamentalisten einen Staatsstreich durchgeführt, den Präsidenten ermordet und den Kongress aufgelöst. Eine Bewegung, die sich auf den ersten Blick scheinbar auch gegen frauenverachtenden Sexismus in der Gesellschaft wendet, verändert in Kürze das gesamte System. In der „Republik Gilead“ haben nur wenige das Sagen, insbesondere Frauen werden innerhalb kürzester Zeit entrechtet. Denn da es einen starken Geburtenrückgang gibt und die Zeugungs- und Gebärfähigkeit nicht mehr bei allen gegeben ist, werden Frauen im gebärfähigen Alter nun als versklavte „Mägde“ in den Haushalten der Kommandanten gehalten. Deren einzige Aufgabe ist es, ein Kind zu bekommen. Das gilt auch für die Magd Desfred, die ihre Geschichte erzählt und versucht, dieser Sklaverei zu entkommen... -

    Es verwundert nicht, dass der Roman, nachdem Donald Trump Präsident wurde, erneut die Bestsellerlisten in den USA gestürmt hat. Ein Mann als Präsident, der sich damit gerühmt hat, wie toll es sei, Frauen zwischen die Beine zu grapschen, einer, der die in demokratischen Systemen üblichen Werte im gesellschaftlichen Miteinander ignoriert bzw. bewusst außer Kraft setzt – und dann trotzdem gewählt wurde. – So ist „The Handmaid´s Tale“ in den USA gerade erneut als Serie verfilmt worden und hat mehrere Emmys erhalten. (Volker Schlöndorff verfilmte den Roman schon 1990 unter dem Titel „Die Geschichte der Dienerin“ fürs Kino.)


    „Unorthodox“ ist der erste Roman der 1986 im New Yorker Stadtteil Williamsburg geborenen und aufgewachsenen Autorin Deborah Feldman. Mittlerweile lebt sie in Berlin, hat weitere Bücher veröffentlicht. Passenderweise finden Sie im „Spiegel“ von dieser Woche einen ausführlichen Artikel zu ihr...

    Ihre „Autobiographische Erzählung“ öffnet die Tür zu einer Welt, die vielen von uns wahrscheinlich völlig unbekannt ist. Feldman schreibt über eine chassidische Gemeinschaft, deren Leben sich nach dem Holocaust in den Jahren des Exils sektenmäßig entwickelt hat. Die Satmarer sind ultraorthodoxe Juden, die nach strengen Regeln leben; Mädchen dürfen beispielsweise nicht singen, nicht tanzen, sollen sich unter der Perücke die Haare scheren, Bücher sind verboten. Gepredigt wird eine gottgewollte Unterwerfung, die sich über alle Lebensbereiche erstreckt.

    Deborah Feldman führt uns in eine Parallelwelt mitten in New York und erzählt davon, wie sie aufwächst, mit siebzehn zwangsverheiratet wird, sich mit ihrem Kind schließlich aus all den Zwängen befreit, die Gemeinde verlässt. Ihr wacher Verstand und ihre Lebensfreude machen nicht nur das möglich, sondern führen schließlich zur Literatur.....


    Im Literaturforum am Dienstag, den 12.Dezember 2017 ist geplant, den diesjährigen Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro mit seinem Roman „Alles, was wir geben mussten“ ins Programm zu nehmen. (Das Werk liegt als Taschenbuchausgabe vor.)

    Robert Menasses Roman „Die Hauptstadt“, der mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet wurde, soll an einem der ersten beiden Termine im neuen Jahr zur Diskussion stehen.



    Einen kleinen Eindruck vom Literaturforum gibt folgender Artikel aus dem Wiesbadener Kurier vom 05.06.2015

    Offenes Literaturforum im Literaturhaus Villa Clementine

    Von Bärbel Schwitzgebel

    WIESBADEN - Als Veranstaltungsort für anspruchsvolle Lesungen und Vorträge ist das Literaturhaus Villa Clementine seit Langem ein unverzichtbarer Bestandteil des Wiesbadener Kulturlebens.

    Doch damit alleine muss es nicht genug sein. Der seit 2002 bestehende „Förderverein Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Arbeit des Kulturamts ehrenamtlich zu unterstützen, möchte darüber hinaus den öffentlichen Raum nutzen, literarisch Interessierten die Möglichkeit zum moderierten Austausch zu geben.

    In diesem Sinne lud Beiratsmitglied Rita Thies, ehemals Kulturdezernentin, nun zum zweiten Mal zu einem offenen Literaturforum ein. Auf dem Programm standen zwei höchst unterschiedliche Romane: „Accabadora“ der sardischen Autorin Michela Murgia und Kressmann Taylors „Adressat unbekannt“. Zusammengefunden hatten sich dazu rund 20 Leser und Leserinnen – Letztere erwartungsgemäß deutlich in der Überzahl.

    Ohne große Vorrede der Moderatorin ergab sich spontan ein assoziativer und persönlicher Austausch, weitgehend getragen von den Teilnehmern, die die beiden Bücher bereits gelesen hatten. Aber auch die, die „unvorbereitet“ gekommen waren, konnten ihren Beitrag leisten. Schnell wird deutlich, dass es weniger um literaturwissenschaftliche Interpretation als um den inspirierten Dialog geht. Es soll kein Seminar, sondern lebendige Kommunikation stattfinden. Und doch führen auch simple Fragestellungen wie „Was ist mir aufgefallen?“, „Was hat mir gefallen?“, „Was finde ich weniger gelungen?“ zu analysierenden Einschätzungen. Man teilt seine Beobachtungen, zitiert einzelne Stellen, lobt die Dichte der Bilder, die Kunstfertigkeit der Sprache oder merkt Schwachstellen in der Charakteristik der Personen an.

    Nächster Termin 21. Juli

    Weitere Literaturtipps ergänzen das Spektrum. Das Bedürfnis, über Lektüre-Erfahrungen zu sprechen, ist evident. Auch wer nur zuhören will, kommt auf seine Kosten. Dennoch, so der dringende Wunsch der Moderatorin, sollten beim nächsten Termin am 21. Juli alle Teilnehmenden, die auf dem Programm stehenden Bücher zuvor gelesen haben. Gemeinsam verständigte man sich dazu auf Julian Barnes: „Vom Ende einer Geschichte“ und Michel Bergmann: „Die Teilacher“.

    Ein lebendiger Literaturkreis lebt eben nun mal vom kollektiven Austausch über individuelle Leseerfahrung.


    Foto: wita/Uwe Stotz

     
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