Literaturforum-Spezial: Erstes Bücher-Speed-Dating. Einfach zum Verlieben.

· Rückblick auf das weltweit erste - und sicherlich im Literaturhaus nicht letzte - Bücher-Speed-Dating!



Weltweit erstes Bücher-Speeddating im Wiesbadener Literaturhaus

Von Viola Bolduan

WIESBADEN - Eine Werkausgabe in fünf Bänden? Das geht doch gar nicht. Eine Handvoll Wiesbaden-Krimis – die müssten laufen. Wer kennt noch Urs Widmer? Noch bin ich in der Vorbereitungsphase. Welche Bücher aus der Bibliothek suche ich aus fürs Bücher-Speeddating? Solche, die da doppelt stehen, manche, die die Stadt zum Thema haben, einige, die von mir ein zweites Mal nicht gelesen werden wollen und mehrere aktuelle, die unbedingt ihr Publikum haben sollen. 17 Stück wandern in den Trolley. Mein Angebot für den Bücher-Basar Mittwochabend im Literaturhaus ist gepackt.

15 Tische sind im Literaturhaus-Café im Rund aufgebaut, mit Nummernschildern und Glasgefäßen fürs Geld. Der Förderverein Literaturhaus hat zum weltweit ersten Bücher-Speeddating geladen. Es treffen ein: die Anbieter mit eins, zwei, drei Büchern in der Hand oder auch voll bepackten Leinentaschen. Meine Stapel sind zu hoch, ich habe übertrieben. Egal, die Neugier der anderen Anbieter beruhigt ein bisschen. „Kenn’ ich … hab’ ich noch nicht … können Sie das aufheben?“ Und schließlich fährt der Trolley ja auch wieder zurück. Sinn der Sache aber wäre ein Verkauf der 100 Bücher für kleines Geld. Der Eintritt kostet drei Euro für einen Gutschein. Den kann man einlösen für ein erstes Buch, alle weiteren Preise werden ausgehandelt. Ist ja für einen guten Zweck, der Finanzierung eines Arbeitsstipendiums für in Deutschland lebende Autoren/innen im Exil.

Vorstandsmitglieder des Fördervereins organisieren die Veranstaltung. Jochen Wörner steht am Einlass und verteilt Kärtchen für die wechselnden Runden. Schließlich soll beim Speeddating jeder Tisch von Interessenten besetzt sein und dann gewechselt werden. Die Vorstandsvorsitzende des Fördervereins Rita Thies begrüßt weitere Literaturfans unter den 20 Anbietern, darunter u.a. professionelle aus dem lokalen Buchhandel, Teilnehmer des eigenen Literaturforums, ihre Vorgängerin Margarethe Goldmann und der „hessische Literaturpapst“ Heiner Boehncke. Der hat nicht nur die eigenen Bücher dabei. Sein „Büchner“-Buch aber wird den höchsten Einzelbetrag einspielen.

Erklären, empfehlen, antworten und verhandeln

Armin Conrad vom Förderverein spielt den Maître de plaisir und klingelt. „Ihr habt fünf Minuten“ – anzubieten, zu erklären, zu empfehlen, zu antworten, zu verhandeln. Die erste Interessentin sitzt mir gegenüber. Aufwärmfrage: „Welches Genre interessiert Sie denn?“ „Am liebsten mag ich romanhafte Biografien…“ Oh, hab‘ ich gar nicht auf dem Tisch. Ich kann es aber mit einer richtigen Joan-Baez-Biografie oder auch dem Lebensabschnitt Vogelers/Rilkes in Klaus Modicks „Konzert ohne Dichter“ versuchen. Rede mir also den Mund fusselig – vergebens. Die Dame nimmt dann Widmers „Das Buch des Vaters“ – Roman auf biografischem Hintergrund immerhin. „Kann man diesen Krimi auch Kindern vorlesen?“ Warum nicht, Vorlesen ist immer gut. Nur ein einziges Mal steht eine Dating-Dame auf und verlässt den Tisch ohne Buch und sucht in den mehr als einem Dutzend anderer Auslagen ihre Chance.

Im Café ist es laut, alle sprechen über Bücher zur gleichen Zeit, begeistert, skeptisch, wählerisch, unermüdlich leidenschaftlich. „Hat sehr viel Spaß gemacht“, klingt’s überall zum Abschied. Und mir als Anbieterin so viel, dass ich total vergessen habe, an diesem Abend selbst Bücher zu erwerben. Macht nichts. Ich nehme ja fünf eigene wieder mit nach Hause. „Ein voller Erfolg für einen guten Zweck“, resümiert Vorsitzende Rita Thies: „Leserinnen und Leser sprechen über Bücher“ und freut sich über Kommunikations-Formate dieser Art. Ein Bücher-Speed-Dating werde auf jeden Fall wiederholt. Und eben nicht nur der knapp 600 Euro wegen, die jetzt in die Finanzierung des Förderverein-Stipendiums fließen können.

Artikel erschienen im Wiesbadener Kurier am 27.04.2018





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