Neuer Pächter des Cafés im Literaturhaus: Holger Schwedler

20.08.2019, von Ingeborg Toth


Er wirkt sympathisch und menschennah, erkennt Chancen, die ihm geboten werden: Holger Schwedler, neuer Gastgeber im Literaturhaus Villa Clementine. Er sieht sich auch als „literaturnah“ und wird sich allein aus diesem Grund mit voller Kraft in die neue Aufgabe stürzen: Das Café des Fin de Siècle im Literaturhaus will er zu „einem Ort der Begegnung“ machen. Die Ausstattung dazu bringt es mit, so Schwedler. Sie ihn erinnert an manchen Ecken an edelste Mailänder „Caffé Bars“. Zentral gelegen – im Dreieck zwischen IHK, Staatstheater und dem Rathaus – setzt er sowohl auf das „schnelle Kommen und Gehen“ als auch auf die Caféhaus-Besucher, die hier ihre Zeitungen lesen. Bar, Café und Bistro, aber auch Weinkeller – so sieht er die gastliche Stätte im ersten Stock des Literaturhauses mit ihren Murano-Leuchtern und den Gobelin-Tapeten. „Ich freue mich auf die Abendveranstaltungen.“ Abends will Schwedler dort die Schicht übernehmen. Tagsüber soll wird sein Mitarbeiter Hannes Seppelt, gelernter Küfer, anzutreffen sein.

Der neue Pächter des Literaturhaus-Cafés, Holger Schwedler (rechts), will gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Hannes Seppelt im Café einen Ort für Begegnungen entstehen lassen (Foto: Volker Watschounek/Wiesbaden lebt)

Kaffee lässt sich Schwedler von Hand rösten, Tee serviert er in gusseisernen chinesischen Kännchen. Er lädt zu „echtem Essen“ ein: Blechkuchen und Apfelstrudel, hausgemachtem Gulasch oder Buletten. Brot, das mit dem ganzen Korn gebacken wird. Lebensmitteln mit Tradition und veritablen Zutaten – jenseits von „fast food“. Montags ist Ruhetag, von Dienstag bis Sonntag ist von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Schwedler ist in Wiesbaden von der Wingert Vinothek bekannt, einer erstaunlich vielseitigen Szenekneipe im Bergkirchen-Gebiet. Dort vertreibt er seine eigene Weinmarke „Urban“ und stellt die ganze Vielfalt des Rheingaus vor. Seine Weinbar: ein Ort für Lesungen, Konzerte, Ausstellungen. Einmal im Monat lädt er einen Winzer zur Weinprobe ein. „Betreutes Trinken“ nennt er das. Politprominenz und Theaterleute gehen in der Oberen Webergasse 50 ein und aus.

Schwedler ist Diplom-Betriebswirt, der auch Philosophie studiert hat, wie das bei „jedem vernünftigen Kaufmann einmal der Fall war“. Die Familie kam in den Sechzigerjahren aus Norddeutschland in die hessische Landeshauptstadt. Der Vater, Beamter beim BKA, machte als erfolgreicher Tennisspieler von sich reden. Holger Schwedlers erste berufliche Station: Bertelsmann. Er hat die Pressestelle des Buchclubs geleitet. Im März 2015 wurde die allerletzte Buchclub-Filiale am Stammsitz in Gütersloh geschlossen. Schwedler hat nicht nur Pressearbeit gemacht, er hat auch als Journalist gearbeitet, über Wein geschrieben. Und wurde Weinhändler, zunächst in Geisenheim. 2013 wechselte er nach Wiesbaden und betreibt seither die Wingert Vinothek im Bergkirchengebiet.

Im Literaturhaus wird er als Erstes gemeinsam mit dem Förderverein Literaturhaus „Suppenlesungen“ veranstalten. Am 5. September sind um die Mittagszeit die Schriften Theodor Fontanes dran, dazu gibt es Suppe, Brot und Wasser. Zum Nachtisch darf noch das Fontane-Büchlein mitgenommen werden, das im Verlagshaus Römerweg erschienen ist.