Literaturhaus Wiesbaden

Förderverein

Im Jahr 2002 wurde die Villa Clementine zum Literaturhaus, kurz danach wurde auch der Förderverein Literaturhaus gegründet. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das Literaturhaus dabei zu unterstützen, die Villa mit anspruchsvollem und weltläufigem literarischen Leben zu füllen.

Dies geschieht einerseits durch finanzielle Unterstützung, andererseits auch durch ein mit dem Literaturhaus eng abgestimmtes zusätzliches Veranstaltungsprogramm (z. B. „Gespräche in der Villa“, „Literaturforum“). Das Haus des geschriebenen Wortes soll gleichzeitig auch ein Zentrum eines lebendigen literarischen und intellektuellen Austausches aller Interessierten in Wiesbaden sein.

Im Jahr 2018 hat der Förderverein ein „Weiterschreiben-Stipendium“ für eine/n nach Deutschland geflüchtete/n Autor/in angeschoben. Die syrisch-kurdische Autorin Widad Nabi war unsere erste Stipendiatin. Das Stipendium wird alle zwei Jahre vergeben. Ferner veranstaltet der Förderverein rund um den Welttag des Buches (23. April) jährlich ein Sonderprogramm zum Thema „Freiheit für das Wort“. Der Förderverein legt mit dem „Literaturforum“ unter Leitung der Vereinsvorsitzenden Rita Thies, dem „Büchertheater“ des ehemaligen Intendanten Manfred Beilharz und dem „Bücherspeed-Dating“ eigene Veranstaltungsreihen auf.

Im Jahr 2019 wollen wir neben vielen weiteren Aktivitäten u.a. ein „Weiterschreiben-Stipendium“ für eine/n nach Deutschland geflüchtete/n Autor/in anschieben.

Freunde und Literaturinteressierte in Wiesbaden und auch darüber hinaus sind in unserem Förderverein herzlich willkommen. Sie erhalten bei den Veranstaltungen des Literaturhauses eine Eintrittsermäßigung und bei allen Veranstaltungen des Fördervereins freien Eintritt.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens 45 Euro für Privatpersonen (Partnermitgliedschaft 50 Euro) und 10 Euro für Schülerinnen, Schüler und Studierende, 150 Euro für Unternehmen.

Die Satzung des Fördervereins ist erhältlich unter foerderverein.wiliteraturhaus@online.de

Dem Vorstand des Fördervereins gehören an:

Rita Thies (Vorsitzende)
Ingeborg Toth (Stellv. Vorsitzende)
Michael Münch (Schatzmeister)
Armin Conrad
Dirk Hoga

Dem Beirat des Fördervereins gehören an:

Dr. Viola Bolduan
Dr. Dorothea Friedrich
Dr. Lothar Schöne
Dr. Manfred Beilharz
Arno Gossmann


 

Interview mit der Vorsitzenden Rita Thies:

Als Kulturdezernentin hatten Sie das Literaturhaus in der Villa Clementine etabliert – warum?

Die großbürgerliche denkmalgeschützte Villa, die ursprünglich als privates Domizil errichtet wurde, bot sich sowohl von ihren Räumlichkeiten als auch von ihrer exponierten Lage an der Wilhelmstraße als Literaturhaus an. Beim ersten Eintritt in die Villa Clementine hatte ich sofort die von großartigen Frauen unterhaltenen literarischen Salons des 18. und 19. Jahrhunderts vor meinen Augen. Einen solchen eigenen Ort der Begegnung zwischen all denjenigen, die Literatur produzieren und denjenigen, die sie rezipieren, einen Ort der lebendigen Diskussion miteinander, das gab es bis zu diesem Zeitpunkt in Wiesbaden nicht.

Inwiefern hat sich der Einsatz gelohnt?

Das Literaturhaus Villa Clementine wird schon seit vielen Jahren als eine selbstverständliche Einrichtung in unserer Stadt wahrgenommen, so, als gäbe es sie „schon immer“ – das ist wohl die beste Bestätigung. Das Literaturhausteam organisiert ein hervorragendes Programm und das interessierte Publikum weiß dies zu schätzen.

Warum braucht es dennoch einen Förderverein?

Der Förderverein ist dazu da, das Kulturamt bzw. Literaturhaus dabei zu unterstützen, die Villa mit literarischem Leben zu füllen. Und wie jeder Förderverein einer Kulturinstitution wollen wir über den Verein die engagierten Literaturinteressierten in Wiesbaden noch stärker an das Haus anbinden. Schließlich gilt es aber auch, all jene für Literatur, für das Lesen, für das Gespräch über Bücher zu begeistern, die von diesem Glück noch nicht richtig gekostet haben. Dazu braucht es neue Formate. Wir unterstützen das kleine Team des Hauses dabei, dass solche angeboten werden können.

Fragen an die stellvertretende Vorsitzende Ingeborg Toth (Journalistin):

Viele Jahre haben Sie sich (nach Ihrem Bruder Hans Dieter Schreeb) als Fördervereinsvorsitzende engagiert – was wurde erreicht?

Nachdem der Autor Hans Dieter Schreeb den Vorsitz des Fördervereins niedergelegt hatte, wurde ich zunächst zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Dr. Christian Russ war als Vielleser und gut in dieser Stadt vernetzter Rotarier ein hervorragender Frontman, der mit leichter Hand um Spenden warb. Diese Arbeit hat der Vorstand, mit dem ich als Vorsitzende arbeiten durfte, fortgesetzt. Obendrein gelang es uns in drei Jahren, die Zahl der Mitglieder um ein Drittel zu erhöhen.

Was soll noch erreicht werden?

Bei allen erreichten Erfolgen – Mitglieder kann man nicht genug haben. Wir orientieren uns an den Freunden des Museums. Die haben die magische Tausend-Mitglieder-Marke locker übersprungen. Das sollte uns, den Freunden des Literaturhauses, auch gelingen. Dazu müssen wir nur breiter streuen, welches Niveau die Veranstaltungen in der Villa Clementine erreicht haben.

Welche Veranstaltungen im Literaturhaus sind für Sie besonders attraktiv?

Im Literaturhaus wird alle vier Wochen über zeitgenössische Literatur diskutiert – und gelegentlich so kontroverse Meinungen ausgetauscht wie im „Literarischen Quartett“. Dazu treffen sich interessierter Bürgerinnen und Bürger aus Wiesbaden und Umgebung. Dass auch Männer dabei sind, die angeblich mit Belletristik nichts am Hut haben, ist doch ein gutes Zeichen.

Fragen an den Schatzmeister Michael Münch (stellvertretender Vorstand Deutsche Bank Stiftung):

(Foto: privat)

Sie haben die Funktion des Schatzmeisters im Vorstand des Fördervereins Wiesbadener Literaturhaus übernommen. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Auch die Literaturförderung kommt nicht ohne finanzielle Unterstützung aus. Das Zahlenwerk zu betreuen und zu gestalten ist eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle.

Sie sind auch in der Deutsche Bank Stiftung und für den Verein Villa Romana aktiv. Warum ist Ihnen ehrenamtliches Engagement wichtig?

Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sich Menschen einbringen und für das Gemeinwohl einsetzen. Sich nur auf staatliches Handeln zu verlassen, ist zu wenig. Aus dieser Grundüberzeugung leite ich mein persönliches Engagement ab und setze mich für die Dinge ein, die mir wichtig sind.

Inwiefern ist für Sie die Aufgabe dieses Vereins interessant, Literatur in der Stadt Wiesbaden zu fördern?

Literatur hat es innerhalb der verschiedenen Kultursparten besonders schwer. Gerade deshalb verdient sie jede Unterstützung. Und daher möchte ich mich in meiner (Fast-) Heimatstadt Wiesbaden für dieses Genre einsetzen.

Fragen an Beisitzer Armin Conrad (Journalist, Kulturzeit 3sat a.D.):

Sie sind Autor des Fördervereins-Projekt „Prinzenraub“ – inwiefern wirbt diese Geschichte für das Literaturhaus?

Der Prinzenraub vom 13. Juli 1888 ist ein Dominostein der europäischen Geschichte auf dem Weg ins 20. Jahrhundert, mit allen Folgen, Katastrophen, Kriegen und Aufbrüchen. Die Villa Clementine ist der Ort.

Welche Dramen mehr spuken in diesem Haus?

Die Dramen der Geschichtsvergessenheit, denn um ein Haar hätte die Villa Clementine das Schicksal der Pariser Bastille erreicht und sie wäre eine U-Bahn-Station geworden.

… und inwiefern ist das Haus mehr als Stoffgeber?

Die Villa ist ein Ort des Lebensgefühls. Schon beim Betreten taucht man in den Klassizismus ein. Hier die Tasse Tee zu trinken, ist etwas ganz Besonderes.

Fragen an Beisitzer Dirk Hoga (Architekt):

 

In welchem Zustand befand sich die Villa Clementine, als Sie sie zuerst sahen?

Meine Aufregung war groß … Meine Aufgabe als Architekt sollte es sein, die Renovierung der zweiten Etage vorzubereiten. Dort traf mich der Schlag ob des desolaten Zustands … Die größte Überraschung widerfuhr mir als die Qualität der historischen Deckenausmalung offenbar wurde. 

Was brauchte es, die Villa in ein modernes Literaturhaus umzuwandeln?

Nicht viel, weil die Atmosphäre die Räume bestechend ist. Schreiten Sie durch die Raumflucht, und es stellt sich ein sinnliches Vergnügen ein. Die Literatur findet einen bestechenden Rahmen. Eine Symbiose, wie man sie fruchtbarer kaum denken kann.

„Wenn ich heute im Literaturhaus bin, dann …“

… dann erfreue ich mich am Gesamtensemble:  den Räumen, dem ambitionierten Literaturprogramm und den anregenden Gesprächen mit interessanten Menschen.

Das Wiesbadener Literaturhaus

Das seit 2002 bestehende Literaturhaus in Wiesbaden versteht sich nicht allein als Ort, an dem rezitiert und diskutiert wird. Es will mit allen Sinnen Lust auf Literatur und auf das Lesen machen. Außerdem will das Programm einen Gegenpol zur fortschreitenden Ökonomisierung von Literatur bilden und auch Autoren vorstellen, die nicht auf den Bestseller-Listen stehen. Weiterhin sollen Thematische Schwerpunkte im Programm geben Leserinnen und Lesern Anhaltspunkte über Entwicklungen auf dem Büchermarkt. geben sowie zur inneren Konzentration und Kontemplation anregen.

In einigen Reihen werden inhaltliche Schwerpunkte verfolgt: Die „Poetikdozentur“ (in Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain) setzt sich die Förderung junger Autorinnen und Autoren zum Ziel, in Vorlesungen, Lesungen und Podiumsgesprächen setzen sich die Poetikdozenten mit dem Prozess der Entstehung von Literatur auseinander. und die Reihe „Junges Literaturhaus“ stellt anspruchsvolle Jugendliteratur vor. und bei „Musik in der Literatur“ stehen die Kultur des professionellen Vortrags von Literatur sowie das Verhältnis von Sprache und Musik im Vordergrund.

Das Wiesbadener Literaturhaus versteht sich nicht zuletzt als Ort, an dem sich Schriftsteller, Übersetzer, Lektoren, Verleger, Buchhändler, Medienschaffende und Literaturinteressierte treffen und arbeiten können. – in Schreibworkshops, Lesungen, Vorträgen oder Tagungen. An der Wilhelmstraße gelegen, ist das Literaturhaus mit Café, Büchertauschstelle und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm ein beliebter Ort, an dem renommierte Schriftsteller ebenso wie talentierte Debütautoren, Künstler verschiedener Sparten, Literaturschaffende und das Publikum einander begegnen und austauschen können. In den vergangenen Jahren gehörten u. a. folgende Schriftsteller oder Schauspieler zu den Gästen: Martin Walser, Uwe Timm, Christoph Hein, Urs Widmer, Daniel Kehlmann, Roger Willemsen, Alexander Kluge, Peter Härtling, Margriet de Moor, Felicitas Hoppe, F. C. Delius, John Burnside, Senta Berger, Eva Mattes, Katharina Thalbach, Ulrich Noethen oder Sophie Rois. Seit 2003 ist Susanne Lewalter die Leiterin des Literaturhauses Villa Clementine.