Literaturforum am 1. September 2026

Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter / Lina Schwenk: Blinde Geister


  • Miriam Carbe: „Unerwünschte Töchter“, Hanser Verlag, München 2026 (574 Seiten, Hardcover 26,- Euro)
  • Lina Schwenk: „Blinde Geister“, Verlag C.H.Beck, München 2025 (190 Seiten, Hardcover, 24,- Euro)

Beide Romane sind Debüts, die sich mit Familiengeschichte auseinandersetzen  und beide Autorinnen haben diese Ende Juni 2026 auf unserem Open-Air-Festival „Ins Offene: Die Fiktion fürchtet nichts“ vorgestellt. „Unerwünschte Töchter“ ist auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2026 nominiert, auch „Blinde Geister“ ist mehrfach ausgezeichnet worden (s.u.)

Hier die Verlagsankündigungen zu beiden Romanen:

 

Unerwünschte Töchter

Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es in den Sechzigerjahren, als die hochintelligente, labile Enkelin gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar.

Miriam Carbe, geboren 1967, hat deutsche und nigerianische Wurzeln und wuchs in einer Familie von Frauen auf, die alle Tagebücher und Erinnerungsskizzen schrieben. Von ihnen erbte sie mehrere Kisten mit Notizbüchern, von denen die ältesten von 1908 stammen. Miriam Carbe hat drei Kinder und lebt in Frankfurt am Main. Sie arbeitet als Redakteurin bei Arte.

 

Blinde Geister 

Olivia, die Tochter von Rita und Karl, kennt seit jeher die Angst der Erwachsenen vor einem erneuten Krieg, obwohl seit Jahren Frieden herrscht in Deutschland. Beharrlich überprüft Karl die Speisekammer auf Vorräte, und immer wieder sucht die Familie gemeinsam Zuflucht im Keller, wenn der Vater den Einfall der Russen fürchtet. Für Olivia und ihre Schwester Martha ist es ein Spiel, dem sie sich still fügen, auch weil sie längst wissen, dass den Eltern die Worte für Erklärungen fehlen und das Schweigen nur umso lauter wird, je mehr sie fragen. „Bald bin ich tot“, denkt auch Olivia, als die Unruhe der Eltern schleichend zu ihrer eigenen wird. In ihrer ersten eigenen Wohnung fehlt Olivia der Keller – dieser kleine Schutzbunker ihrer Kindheit, der immerhin eins bedeutete: Familienzeit. Die langen Risse, die von den Eltern bis in ihre Generation reichen, erkennt sie erst, als sie ihre eigene Tochter vor jenem Bedrohungsgefühl zu schützen versucht, das durch neue Konflikte in Europa plötzlich erschreckend real wird. „Blinde Geister“ ist ein vielschichtiger und berührender Roman, der vor dem Hintergrund deutscher Zeitgeschichte tief verwurzelte Ängste freilegt und mit feinem Gespür das Sonderbare und Entrückte im Menschen ergründet.

Lina Schwenk, geboren 1988 in Bochum, arbeitete zunächst als Krankenschwester und in der medizinischen Flüchtlingshilfe. Anschließend studierte sie Medizin in Witten, Saint-Étienne und Cardiff und ist seither als Ärztin tätig. «Blinde Geister» ist ihr erster Roman, der mit dem GWK-Förderpreis und dem Publikumspreis des Harbour Front Literaturfestivals ausgezeichnet wurde. Der Roman wurde außerdem für den Alfred-Döblin-Preis, den ZDF-«aspekte»-Literaturpreis und den Deutschen Buchpreis nominiert.