Auftritt Georg Stefan Troller

30.04.2019, von Viola Bolduan


Die Schlange vor der Kasse ist lang, an der sich der kleine alte Mann wiederum selbst vorbeischlängeln muss, um ins Foyer des Literaturhauses einzutreten. Georg Stefan Troller wollen viele hören, sehen, noch einmal erleben, wenn der in Österreich geborene und seit 1949 als Amerikaner in Paris lebende Fernsehjournalist und Buchautor nach Deutschland, nach Wiesbaden kommt, um seine jüngste Publikation „Ein Traum von Paris“ vorzustellen. Der Förderverein Literaturhaus hatte den 97-jährigen Doyen des Dokumentarfilms eingeladen und dessen Wiesbadener Verlag Römerweg den Besuch organisiert.

„Viele Freunde sind gekommen“, sagt der Autor – aber nicht nur sie. Alle Platzkarten sind schnell vergeben, zwei bestuhlte Räume platzen aus den Nähten, als für die Wartenden schließlich auch das Café geöffnet wird. Da sieht man ihn zwar nicht, kann ihn aber hören. Laut und deutlich damit aber auch Rückkopplungs-Störgeräusche der Anlage. Mikro näher ranhalten? „Also, verschlucken kann ich’s nicht“, reagiert Toller in Seelenruhe und steht dann eben auf, um ohne Mikro weiter zu sprechen. Zu leise, weshalb die Tonanlage von jetzt an wieder funktioniert.
Journalistin Ingeborg Toth (stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins) hatte Georg Stefan Troller vorgestellt als „einen der eigenwilligsten Interviewer“, und als sie ihn eine „Jahrhundertfigur“ nennen will, kontert er souverän: „Ich bin erst 97“. Er erzählt vom Fund seines „Jugendwerks“ der alten Fotos, der ihm „wie ein Märchen, ein Traum“ vorkam und vom „intimen Kampf um die Beibehaltung“ seiner Muttersprache in seinen Lebensländern USA und Frankreich. Zu seiner Interviewtechnik veranschaulicht er, dass, wer „Fragen aus dem Inneren“ stelle auch Antworten „aus dem Inneren“ erhalte, und eine „Fingerübung“ nur nennt er in feinem ,understatement‘ sein berühmtes „Pariser Journal“.

Dann liest Troller (als „Mosche Dajan“ mit Augenklappe) aus seinem Buch „Unterwegs auf vielen Straßen“ zum Thema Identität, die er ironisiert in erlebten Verwechslungen mit Peter Scholl-Latour oder Ernst Toller. Aus dem neuen Buch „Ein Traum von Paris“ rezitiert er das Vorwort, wie er zur Kamera seiner frühen Fotos fand und setzt fort mit Zugaben aus der „Anthologie meiner Lebensmenschen“: Miniatur-Porträts von Edith Piaf und Arthur Rubinstein. Viel Beifall nach mehr als nur einer „glücklichen Stunde“. Lange noch muss Georg Stefan Troller am Tisch sitzen bleiben, um alle Signierwünsche zu erfüllen. Der Vaternahm-Büchertisch ist leer gekauft, und jede/r geht nach Hause mit einem Lächeln im Gesicht und einer Verlags-Büchertasche auf der Schulter. Und übrigens: Tollers verschollen geglaubte Lesebrille fand sich noch rechtzeitig auf seinem Lesetisch wieder, worauf er sie in weiser Voraussicht selbst gelegt hatte …