Widad Nabi auf der Buchmesse Frankfurt

05.02.2019, von Viola Bolduan


„Ich bin nicht nur Flüchtling“, betont Widadj Nabi, aus Syrien geflohene Literatin und derzeit Stipendiatin des „Weiterschreiben“-Programms des Fördervereins Literaturhaus Wiesbaden. Die 34-Jährige ist Gast auf dem Podium beim internationalen Dialog über „Die politische Verantwortung zum Schutz gefährdeter Kulturschaffender“. Er findet statt auf der „Weltempfang“-Bühne während der Frankfurter Buchmesse. „Wer mich nur als Flüchtling behandelt, beleidigt mich,“ fährt Widad Nabi fort, denn, egal in welchem Land: „Ich bin Autorin.“ Freundlich, aber bestimmt hält die junge Frau daran fest, dass die in der Heimat begonnene kreative Arbeit doch das wichtigste Kontinuum bleibe. In Berlin, wo sie seit drei Jahren lebt, und Wiesbaden, wo sie seit September dieses Jahres ein dreimonatiges Stipendium verbringt, schreibt sie in ihrer Muttersprache. Warum sie nach ihrer Flucht aus Aleppo Deutschland und kein anderes arabisches Land als Ziel gewählt habe? „Ich wollte Freiheit“, erwidert Widad Nabi. Seit sie lesen kann, habe sie deutsche Literatur geliebt und sich „deutscher Geschichte und Kultur im Land von Brecht“ verbunden gefühlt. Sie spricht von positiven Erfahrungen, die sie hier inzwischen gemacht habe, und guten Chancen, wie das Wiesbaden-Stipendium sie ihr gibt. Widad Nabi sagt aber auch, dass sie in Deutschland Rassismus und AfD-Parolen gegen Ausländer als persönliche Beleidigung erlebt. „Ich kann das nicht ertragen“, und sie fordert von der deutschen Bevölkerung wie auch von den hier lebenden Ausländern gemeinsam gegen Diskriminierung zu protestieren. Die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium, Barbara Erbe (Amnesty International), Irmgard Maria Fellner (Auswärtiges Amt) und Ulrich Khuon (Intendant) stimmen ihr zu: „Nicht weggucken, den Sessel verlassen und Farbe bekennen.“ Die neu gegründete Martin-Roth-Initiative will geflüchtete Autorinnen und Autoren unterstützen, aber es heißt auch: „Literaturhäuser müssen reagieren“, woraufhin Rita Thies vom Förderverein Literaturhaus Wiesbaden öffentliche finanzielle Hilfe für die Übersetzungsleistung anregt, die ein Ankommen fremdsprachiger Literatur in Deutschland ja erst möglich macht.