Literaturforum am 19. 12. 2023

Tonio Schachinger: Echtzeitalter / Lesetipps der Teilnehmer*innen


Der Preisträger des Deutschen Buchpreis 2023 steht auf dem Programm: Tonio Schachinger mit „Echtzeitalter“, Hamburg, April 2023.

Im zweiten Teil des Abends wollen wir uns Ihren Leseempfehlungen widmen – bitte bringen Sie die ausgewählten Bücher mit (nicht mehr als zwei).

Der junge österreichische Schriftsteller Tonio Schachinger hat für seinen Roman „Echtzeitalter“ den Deutschen Buchpreis 2023 erhalten. Über den Roman ist so viel geschrieben worden, dass ich mich hier eines einführenden Textes enthalte und Ihnen vielmehr mit ein paar Rezensionsauszügen Anregungen für die Diskussion anbieten möchte.

Viel Vergnügen wünscht

Rita Thies

 

  • Echtzeitalter ist ein mit allen Stimmungsschwankungen der Pubertät versehener Roman über das Heranwachsen, über Freunde, über die Beziehung zu Eltern, den Machtapparat Schule und vor allem auch die Faszination für Computerspiele.“ (literaturkritik.de 4.4.23)
  • „Bildungsroman 2.0“ (Die Zeit, 19.10.23
  • Echtzeitalter ist ein geradezu klassischer, stilistisch fein erzählter und pointenreicher Coming-Of-Age-Roman.“ (WDR  3 Kultur, 19.4.23)
  • „Tonio Schachingers mit dem Deutschen Buchpreis 2023 ausgezeichneter Roman ist unterhaltsam, amüsant, auch anrührend.“ (Deutschlandfunk Kultur, 17.10.23)
  • „Schachingers Sprache hat Einfühlungsvermögen und Witz zugleich. Ein Entwicklungsroman aus der Gegenwart.“ (SWR Kultur, 30.6.23)
  • Echtzeitalter erzählt auf vielschichtige und humorvolle Weise vom Einfluss autoritärer Strukturen und davon, wie man sie überlisten kann, um seine eigenen Regeln aufzustellen und endlich – und auf gute Weise – erwachsen bzw. man selbst zu werden.“ (WDR 3 Kultur, 19.4.23)
  • „Schon klar, Deutscher Buchpreis 2023, zurzeit also auf wirklich jedem Büchertisch prominent in die Höhe gestapelt, aber wenn ein Buch dann so lustig, böse, sentimental und entertaining ist (also wienerisch), wenn es die Coming-of-Age-Geschichte eines Computerspiele-Nerds im Dunstkreis eines Wiener Elitegymnasiums ansiedelt, wo sich feuerzangenbowlehafte Streiche mit dem Erleben puren Terrors verbinden, wenn darin so herrliche Figuren auftreten wie Feli und Fina aus der Raucherecke, Lord Voldemort alias „der Dolinar“ als Klassenvorstand sowie die Top-Ten-Spieler von „Age of Empire 2“, dann ist dieses Deutsche-Buchpreis-Buch gar nicht fürs Bildungsbürgerpublikum geschrieben, sondern für jeden, der einmal wirklich jung war.“ (Süddeutsche Zeitung, Geschenke für den Kopf, 2.12.23)
  • „Schachinger feiert gerade im Zerrbild des Autoritären seine literarischen Bildungsroman-Vorgänger. Nichts dürfte dem Gamer Till mit seiner Vorliebe für Age of Empires zwar ferner liegen als Der Nachsommer von Adalbert Stifter. Schachinger aber weiß sehr genau, dass er sich mit seinem referenzfreudigen Werk in die bürgerliche Literaturtradition einschreibt. Das Computerspielen des Heranwachsenden ist jener Rückzugsort, den einst die Literatur bereitstellte, in seinem glühenden Kern handelt Echtzeitalter aber von der guten alten Herzensbildung: von Lebensprüfungen wie …“ (Die Zeit, 19.10.23)
  • „Den Konflikt zwischen den Generationen erzählt Schachinger als einen zwischen analoger und digitaler Welt, ohne jedoch die beiden Wahrnehmungswelten allzu simpel aufeinanderprallen zu lassen. Vielmehr spielt er humorvoll mit den Gegensätzen und lässt Tills Mutter – nach dem Schnupperkurs – selbst Feuer fangen.“ (WDR 3 Kultur, 19.4.23)
  • „Schachinger erzählt alle diese Schuljahre durch, erzeugt aber keine leeren Meter oder Redundanzen. Abgesehen davon, dass Till in jedem strauchelt, hat jedes seine Spezifika, die dann auch ganz schnell wieder unwichtig werden. Das erinnert etwas an Richard Linklaters Coming-of-Age-Film Boyhood. Freundschaften sind auch Leidensgemeinschaften. Man wurstelt sich widerwillig und nachlässig durch und erträgt, was man ertragen muss, im Wissen, dass es vorbeigehen wird. Wer die Schulzeit hinter sich hat, für den ist es eine nostalgische Lektüre.“ (Der Standard, 21.3.23)
  • „Die Rezensentin, die mit Gaming immer nur eine Gemeinde in Niederösterreich assoziiert hat, gehört ohne Zweifel zur didaktischen Zielgruppe: Tills Eltern „sprechen über Computerspiele, wie jemand, der nicht lesen kann, über Bücher spricht, und ihre Sorgen unterscheiden sich kaum von den Sorgen derjenigen, die zur vorletzten Jahrhundertwende ins Kino gingen und fürchteten, der Zug könne aus der Leinwand über sie hinwegrollen“. Till möchte seiner Mutter irgendwie vermitteln, dass es beim Gaming „nie um Gewalt geht, sondern immer um Immersion“, dass er das liebt, weil es „ihm jeden Abend garantiert, was Kunst nur in ihren besten Momenten schafft“, nämlich eine Gelegenheit, „das Leben zu vergessen und zu ertragen“. Schachinger gelingt es wie nebenbei, diese Faszination auch der unbedarften Leserin zu vermitteln. Die Szene, in der Till die völlig ahnungslose Mutter – und somit uns – ins Spiel einführt, zählt zu den Höhepunkten des Buches.“ (FAZ, 22.4.23)
  • „Es ist eine der anrührendsten Szenen des Romans, wenn Till seiner Mutter ein Video zeigt, in dem ein amerikanischer „Age of Empire“-Experte ein Spiel Tills kommentiert. Sie gibt sich Mühe, ihn zu verstehen, doch „während er das Gefühl hat, alles viel zu sehr zu vereinfachen, kennt sich seine Mutter immer weniger aus“. Tonio Schachinger sagt, er sehe sich da tatsächlich als Vermittler, und es gelinge ihm, plausibel zu machen, was Till als „Immersion“ empfindet, vergleichbar mit der Versenkung in ein Kunstwerk.“ (Der Spiegel, 17.10.23)
  • „Seine (Tills) Affinität zum Echtzeitstrategiespiel „Age of Empires 2“ steht hier auch für seine Flucht aus dem Schulalltag. Gleichzeitig erwirbt er sich durch seine Erfolge in der virtuellen Welt Anerkennung im Kreis seiner Mitschüler. „Entweder man liest gerne, oder man spielt gerne Games. So oder so verpasst man was“, lässt Autor Schachinger einen von Tills Mitschülern resümieren.“ (literaturkritik.de, 4.4.23)
  • „Schachinger schafft es mit großer Detailkenntnis (und wohl auch Sympathie), die Lebendigkeit der virtuellen Welt zu beschreiben.“ (literaturkritik.de, 4.4.23)
  • „Wie stilistisch elegant und gewitzt er in Echtzeitalter erneut erzählt und eine ganze Schulzeit, Freunde, die Beziehung zu Eltern, eine Faszination für Computerspiele, jugendliches Rebellieren zusammenbringt und daraus noch Übersichtlichkeit generiert, ist ganz große – Klasse.“ (Der Standard, 21.3.23)
  • „Schachinger will in seiner Rolle als Autor nie klüger rüberkommen als die Teenager.“ (literaturkritik.de, 4.4.23)
  • „Allerdings: Die Entscheidung, Tonio Schachinger für „Echtzeitalter“, seinen zweiten Roman, den Deutschen Buchpreis zu verleihen, ist nicht nur überraschend, sie ist falsch.“ (Deutschlandfunk Kultur, 17.10.23)
  • „Bedenkt man jedoch, wie beliebt Schulromane als Schullektüre sind, könnte dem Buch eine Karriere als Longseller bevorstehen. Näher als die Reclam-Hefte des Sadistenlehrers Dolinar wird es der heutigen Schülerschaft definitiv sein.“(Der Spiegel, 17.10.23)