Literaturforum am 23. Februar 2021 via Zoom

Alexa Hennig von Lange: Die Wahnsinnige


Alexa Hennig von Lange: Die Wahnsinnige, DuMont Buchverlag, Köln 2020 (208 Seiten, 20,- Euro)

Wenig schmeichelhaft war der Beiname, den man der spanischen Königin Johanna von Kastilien (1479-1555) gab: Juana la Loca – Johanna die Wahnsinnige. Ein gezieltes politisches Mobbing derjenigen, die nach der Macht griffen, die ihr zustand? Bis heute diskutieren Forscher, inwieweit bei Johanna überhaupt eine seelische oder geistige Krankheit vorlag. Historisch verbürgt ist, dass sie Opfer eines machtpolitischen Ränkespiels wurde, dass sie für „regierungsunfähig“ erklärt und 45 Jahre bis zu ihrem Tod in einem Kloster in Tordesillas gefangen gehalten wurde.

Alexa Hennig von Lange macht diese Biografie zum Ausgangspunkt ihres Romans und geht dabei der Frage nach woran sie wahnsinnig geworden sein könnte, so die Autorin in ihrem Nachwort. Sie erzählt von einer intelligenten jungen Frau, die ihren eigenen Weg gehen will und die mit der rigiden Herrschaft ihrer Mutter, Königin Isabella der Katholischen, nicht einverstanden ist. Unter Isabella und ihrem Mann, Ferdinand von Aragon (der Katholische), herrscht die Inquisition, überall im Lande brennen Scheiterhaufen, auf denen „Ketzer“ qualvoll sterben. Johanna hingegen legt sich mit der Geistlichkeit an. Sie verweigert sowohl die Beichte als auch das Gebet. Eine Frau, die sich nicht fügt.

Ungewöhnlich für eine Infantin, die aus bündnispolitischen Gründen verheiratet wird, ist auch ihr Umgang mit der Untreue ihres Gatten, Philipp dem Schönen. Sie liebt ihn abgöttisch, er neben ihr auch seine Mätressen. Die impulsive Johanna macht aus ihren Verletzungen kein Hehl, lebt sie aus.

Es ist ein sehr modernes Figurenporträt, das die Autorin in der Figur der Johanna von Kastilien zeichnet: Eine Rebellin, die erst von ihrer Mutter ausgebremst, später von Ehemann, Vater und ihrem Sohn kaltgestellt wird. Doch die personale Perspektive, die von Lange wählt, überzeugt. So verbindet sie schreibend das Schicksal einer widerspenstigen Königin mit der Suche nach den Strukturen, die zu Ohnmacht oder Macht führen.

 

Rita Thies

 

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